PM der SPD-Fraktion: Maerckerweg umbenennen: Keine weitere Ehrung für antisemitischen „Kolonialkrieger“

Moderatoren: Stratievski, gheck68

Antworten
Stratievski
Beiträge: 51
Registriert: Mittwoch 16. Mai 2018, 20:37

PM der SPD-Fraktion: Maerckerweg umbenennen: Keine weitere Ehrung für antisemitischen „Kolonialkrieger“

Beitrag von Stratievski » Montag 27. Januar 2020, 12:21

Pressemitteilung

23. Januar 2020

Ansprechpartner:
Norbert Buchta (Fraktionsvorsitzender)
Dr. Dmitri Stratievski ( Bezirksverordneter Lankwitz)


Maerckerweg umbenennen: Keine weitere Ehrung für antisemitischen „Kolonialkrieger“

Der Maerckerweg ist eine unscheinbare Verbindung zwischen der Belßstraße und dem Campus Lankwitz
der Freien Universität Berlin, gesäumt von Bäumen und dreistöckigen Mehrfamilienhäusern aus der Nachkriegszeit.

Die beschauliche Umgebung will nicht recht passen zu dem Mann, nach dem das kurze Straßenstück
benannt ist: Dem Kolonialisten, Freikorpsführer und Antisemiten Georg Maercker (1865 – 1924).
Maerckers militärische Laufbahn begann unter anderem in der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde,
heute Sitz des Bundesarchivs in Lichterfelde-West. Ab 1889 war er in den deutschen Kolonien in Afrika und
Asien als Soldat, später auch als Befehlshaber, an der blutigen Niederschlagung mehrerer Aufstände
gegen die deutschen Besatzer beteiligt, darunter auch dem Völkermord an den Herero und Nama in
Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. 1905 hatte Maercker den Oberbefehl bei der Schlacht von
Nubib inne, in deren Folge er auch die Deportation von Kindern, Frauen und Männern in Konzentrationsund
Zwangsarbeiterlager verantwortete. Viele der verschleppten Menschen verloren dort ihr Leben. Nach
Ende des Ersten Weltkriegs stellte Maercker eines der ersten Freikorps auf. Während sich Maercker
anfangs loyal zur Regierung des damaligen Reichskanzlers Friedrich Ebert (SPD) verhielt, führte seine
uneindeutige Haltung während des Kapp-Putsches 1920 schließlich zu seiner Entlassung aus dem Militärdienst.
In der Folge schloss sich Maercker dem „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ an, später gründete
der überzeugte Kolonialist den „Deutschen Kolonialkriegerbund“, der bald schon größten Vereinigung
ehemaliger deutscher Kolonialsoldaten. Beim „Stahlhelm“ setzte er 1924 einen „Arierparagraphen“ durch,
auf dessen Grundlage alle jüdischen Mitglieder ausgeschlossen wurden. Nicht zuletzt diese antisemitische
Gesinnung führte im Jahr 1936 zur Benennung der Straße durch die Nationalsozialisten.
Vor diesem Hintergrund setzten sich SPD und Linkspartei für eine Umbenennung der Straße ein. Bei der
Abstimmung im Kulturausschuss Anfang Januar wurde der Antrag mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen.

Die Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung zerschlug sich jedoch am vergangenen Mittwoch
bei der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Steglitz. Offensichtlich war das Unbehagen
in der CDU, die Straßenumbenennungen prinzipiell ablehnend gegenübersteht, zu groß geworden.
Für alle anderen Parteien überraschend stimmten auch die Grünen für eine Rücküberweisung in den Haushaltsausschuss.

Derweil sich also in den kommenden Monaten die Bezirksverordneten erneut einer nur
150 Meter langen Straße in aller Ausführlichkeit widmen werden, bleibt die Ehrung für einen Mann, der
über die Bevölkerung Namibias so viel Leid und Tausenden Menschen den Tod gebracht hat, bestehen.

Antworten