Maerckerweg umbenennen: Keine weitere Ehrung für den Kolonialisten, Mörder und Antisemiten in Lankwitz

Moderatoren: Stratievski, gheck68

Antworten
Stratievski
Beiträge: 51
Registriert: Mittwoch 16. Mai 2018, 20:37

Maerckerweg umbenennen: Keine weitere Ehrung für den Kolonialisten, Mörder und Antisemiten in Lankwitz

Beitrag von Stratievski » Donnerstag 23. Januar 2020, 14:21

Maerckerweg umbenennen: Keine weitere Ehrung für den Kolonialisten, Mörder und Antisemiten in Lankwitz

Antrag der Links- und SPD-Fraktion

Die BVV möge beschließen:

Das Bezirksamt wird gebeten, den Maerckerweg in Lankwitz umzubenennen. Zugleich soll über die Gründe der Umbenennung auf einer Informationstafel aufgeklärt werden, die an der Ecke Belßstraße oder ersatzweise an der Ecke Emmichstraße aufgestellt werden soll. In den Entstehungsprozess des Textes und des Layouts der Informationstafel sollen neben Historiker*innen auch die BVV-Fraktionen einbezogen werden.

Begründung:

Es ist eine Schande, dass im Jahr 2019 in Steglitz-Zehlendorf noch immer eine Straße nach Georg Ludwig Rudolf Maercker (21.9.1865 Baldenburg – 31.12.1924 Dresden) benannt ist! Der Maerckerweg wurde während der NS-Herrschaft eingerichtet. Aus Sicht der deutschen Faschisten hatte Maercker sich als „Kolonialkrieger“, Anführer eines Freikorps und Antisemit für Deutschland verdient gemacht. Seine militärische Ausbildung absolvierte Maercker unter anderem in der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde (heute Bundesarchiv in Lichterfelde-West). Ab 1889 war er als Soldat und Befehlshaber für mehr als 15 Jahre (mit Unterbrechungen) an der Niederschlagung von Aufständen gegen die deutschen Besatzer und die Ermordung von Einheimischen in Afrika und China involviert. 1905 hatte er beispielsweise den Oberbefehl bei der Schlacht von Nubib gegen die Kämpfer der Herero und Nama. Im Anschluss an die Niederschlagung des Aufstandes verantwortete Maercker die Deportation von Kindern, Frauen und Männern in Konzentrations- und Zwangsarbeiterlager. Viele der dorthin verschleppten Menschen verloren ihr Leben. Maercker rechtfertigte sein Vorgehen mit „nationaler Würde“ und „wirtschaftlichen Interessen“. Nach seiner Rückkehr als Teilnehmer aus dem Ersten Weltkrieg wurde er Befehlshaber eines Freikorps. 1920 unterstützte Maercker allem Anschein nach den rechtsextremen Kapp-Lüttwitz-Putsch (andere Quellen erwähnen „nur“ illoyales Verhalten gegenüber der Reichsregierung), weswegen er nach dem Scheitern des Putsches aus der Reichswehr entlassen wurde. Maercker wurde daraufhin erster Präsident des „Deutschen Kolonialkrieger-Bundes“, der die erneute Kontrolle über verlorene Kolonien forderte. Kurz vor seinem Tod setzte Maercker 1924 beim „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ den antisemitischen „Arierparagraphen“ durch. Anders als Berlin, hat die Stadt Dortmund bereits 1946 reagiert und eine dort nach Maercker benannte Straße umbenannt.

Antworten